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Wie viel Schnittmasse verträgt ein alter Obstbaum pro Jahr?
Bei alten Obstbäumen gilt eine simple Faustregel: mehr als ein Viertel der lebenden Kronenmasse sollten Sie pro Jahr niemals entfernen, besser ist ein Drittel davon, also etwa acht bis zehn Prozent. Diese Zurückhaltung ist entscheidend, denn ein alter Baum reagiert auf starke Schnitte nicht mit jungem Wachstum wie ein junger, sondern mit Stress, der sich in vermehrtem Trieb- und Wasserschossbildung äußert. Messen Sie die Schnittmasse nicht in Kilo, sondern am Volumen der Feinäste: Wenn Sie nach dem Schnitt mehr als zwei Handwagen voll mit dünnem, verzweigtem Holz haben, war es zu viel. Konkret bedeutet das bei einem großen Apfelbaum mit vier Metern Kronendurchmesser, dass Sie nur die klar abgestorbenen, sich reibenden oder steil nach innen wachsenden Leittriebe entfernen dürfen – und von den alten Fruchthölzern höchstens jeden fünften Ast. kaiserschnitt-goettingen im Spätwinter bei frostfreiem Wetter, denn dann verheilen die Wunden besser und der Baum kann seine Energie auf die verbleibenden Knospen konzentrieren.

Ein wichtiger Fehler ist die Annahme, dass ein alter Baum durch Rückschnitt wieder „verjüngt“ werden müsse – tatsächlich führt ein starker obstbaumschnitt zu einer Kettenreaktion aus Wasserschossen, die Sie im Folgejahr erneut schneiden müssten, womit Sie den Baum langsam aber sicher erschöpfen. Stattdessen sollten Sie die Schnittmasse über mehrere Jahre verteilen: Planen Sie einen dreijährigen Zyklus, in dem Sie in Jahr eins nur die toten Äste, in Jahr zwei die kranken und in Jahr drei die sich kreuzenden Zweige angehen. So bleibt die jährliche Entnahme minimal und der Baum hat Zeit, seine Wunden zu überwallen. Achten Sie zudem auf die Aststärke: Ein Schnitt an einem Ast, der dicker als Ihr Handgelenk ist, ist bei einem alten Baum nur im absoluten Notfall gerechtfertigt, etwa wenn er bricht oder ein Gebäude gefährdet. Jede dieser großen Wunden ist eine Eintrittspforte für Pilze, und ein alter Baum hat nicht mehr die Vitalität, um große Schnittflächen schnell zu verschließen.


Für die Praxis empfehle ich Ihnen, vor jedem Schnitt den Baum von unten zu betrachten und sich zu fragen, welche Äste wirklich Licht in die Krone lassen. Entfernen Sie im Zweifel lieber einen ganzen, größeren Ast an seiner Basis als viele kleine Triebe, denn das reduziert die Anzahl der Wunden und damit den Stress. Nach dem Schnitt sollten Sie bewusst auf Dünger verzichten, denn Stickstoff treibt nur neue Triebe, die den Baumschnitt wieder zunichtemachen. Wenn Sie unsicher sind, wie viel Ihr alter Baum verträgt, beobachten Sie ihn im Sommer: Bildet er nach einem gemäßigten obstbaumschnitt viele lange, dünne Senkrechttriebe, war es bereits zu viel – dann pausieren Sie im nächsten Jahr komplett. Ein vitaler alter Obstbaum mit wenigen, aber regelmäßigen Beerenäpfeln braucht keine radikale Kur, sondern eine behutsame Begleitung. Denken Sie daran, dass ein alter Baum pro Jahr nicht mehr als circa ein Kilogramm Schnittholz pro Meter Stammumfang verträgt, ohne dass die Fruchtqualität leidet – messen Sie das an Ihrem konkreten Baum und überschreiten Sie dieses Maß nie, denn der beste obstbaumschnitt ist der, den man nicht macht.

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